SECHS LEBENSWELTEN · 250 MIO. JAHRE

Lebenswelt: wer hier lebte, Schicht für Schicht

Gesteine erzählen nicht nur von Meeren und Gebirgen — in ihnen stecken die Bewohner. Sechs Lebenswelten aus der Erdgeschichte der Schweiz, jede mit echten Fundorten. Jedes Bild führt zum Wikipedia-Artikel, jeder Abschnitt an die passende Stelle der Zeitreise.

Im Urmeer und an seinen Ufern vor 250–145 Mio. Jahren

Die Schweiz liegt am Rand eines warmen Meeres. Am Monte San Giorgio im Tessin versteinern Fischsaurier und Fische so fein, dass die Fundstelle heute Weltnaturerbe ist. In Frick im Aargau graben Forschende ganze Herden von Plateosauriern aus, und bei Courtedoux im Jura blieben die Fussspuren von Sauropoden im Wattschlamm erhalten — Schicht für Schicht, wie im Modell.

Zum Weiterdenken Ammoniten gaben dem Jura-Gestein den Namen. Warum eignen sich gerade Meerestiere so gut, um Gesteinsschichten zu datieren?

Die ersten Blüten vor 145–66 Mio. Jahren

Im Kreidemeer schwimmen weiterhin Ammoniten und Haie — und an Land geschieht die vielleicht grösste Erfindung der Pflanzengeschichte: die ersten Blüten öffnen sich. Von da an arbeiten Pflanzen und Insekten zusammen. In der Schweiz ist aus dieser Zeit nur wenig Gestein erhalten: die Kreideschicht im Modell ist dünn.

Zum Weiterdenken Im Modell ist die Kreide-Schicht dünner als die anderen. Heisst das, dass damals wenig passiert ist — oder nur, dass wenig übrig blieb?

Haie im Molassemeer vor 34–16 Mio. Jahren

Als das Becken einbricht, kehrt das Meer zurück — subtropisch warm. Haie ziehen ihre Bahnen, wo heute Bern und Luzern stehen: ihre Zähne findet man zu Tausenden im Sandstein der Oberen Meeresmolasse. Am Strand wachsen Palmen.

Zum Weiterdenken Ein Haizahn im Sandstein von Luzern — was verrät er über die Höhe der Landschaft von damals?

Subtropen am Alpenrand vor 16–2 Mio. Jahren

Das Meer weicht, Flüsse schütten das Land auf. Zwischen Palmen und Mammutbäumen waten Urelefanten, in den Flussarmen lauern Krokodile — die Schweiz sieht aus wie heute die Everglades. Ihre Knochen und Blätter stecken in der Oberen Süsswassermolasse.

Zum Weiterdenken Krokodile brauchen Wärme. Was sagt ein Krokodilfund über das Klima von damals — und was sagt er nicht?

Mammut und Höhlenbär vor 2 Mio.–12 000 Jahren

Nun schürfen Gletscher die Täler aus. Davor weiden Mammuts in der Kältesteppe — bei Niederweningen im Kanton Zürich wurden gleich mehrere ausgegraben. In den Höhlen des Alpsteins überwintern Höhlenbären: das Wildkirchli ist eine der höchstgelegenen Fundstellen Europas.

Zum Weiterdenken Mammut und Höhlenbär haben viele Kaltzeiten überlebt — verschwunden sind sie erst, als zwei Dinge zusammenkamen. Welche?

Heute seit 12 000 Jahren

Seit dem Ende der Eiszeit erobern Wald und Mensch das Land. Steinbock, Murmeltier und Enzian sind die Erben dieser Geschichte — und wir bauen unsere Häuser auf den Schotter, den die Gletscher zurückgelassen haben. Jede Schicht im 3D-Modell ist ein Kapitel dieser Erzählung.

Zum Weiterdenken Der Steinbock war in der Schweiz um 1800 ausgerottet und wurde wieder angesiedelt. Gehört er damit noch zur Naturgeschichte — oder schon zur Menschengeschichte?

Die Zeichnungen sind stilisierte Silhouetten, keine Rekonstruktionen — Grössen nicht massstäblich, Artenlisten eine kleine Auswahl. Fundorte und Artikel: Wikipedia (Klick auf die Figuren). Zeiten wie in der Zeitreise, gerundet.